Fotos aus den Sixties
Joe Blues Livemusik seit 1962



Joachim "Joe Blues" Harmuth geb. 1948 in Kettwig/Ruhr
Joe schreibt seinen 1. Blues bei der Einschulung 1954 (siehe oben)

Auszug aus Joe's Buch "Als der Blues die Ruhr erreichte"
Als junger Musiker kam ich im Ruhrgebiet der 60er Jahre schnell mit Blues & Rock’n’Roll in Kontakt. Ich strolchte in den einschlägigen Lokalen herum, spielte mit meiner Band in den Kaschemmen, wo mich meine Eltern immer vor gewarnt hatten und fand die Atmosphäre einfach prickelnd.
In direkter Umgebung befanden sich fast immer Lokale, die dem Rotlichtmilieu zugeordnet werden konnten. Dementsprechend sahen auch die Girls aus, die dort ihre Show abzogen. Es herrschte ein rauer Ton, aber wenn man als Musiker dazu gehörte, hatte man einen Stein im Brett. Ich erinnere mich noch gut, als ein Kerl mit Pranken wie Kehrschaufeln, zu mir sagte: "Wer dich wat dät, dät misch wat".
Die Mädels standen sowieso auf Musiker.
Im Blues der amerikanischen schwarzen Musiker wird dieses Milieu ebenfalls beschrieben. Blues ist echt und mitten aus dem Leben.
Die Behörden haben immer versucht, die offene Sprache des Blues zu zensieren, aber Musiker benutzten Ersatzworte, und nach Mitternacht, wenn keiner dieser Spitzel im Lokal war, wurde Klartext gesungen.
"Rock me Baby,  fuck me Baby, all night long".

Das Publikum stand drauf und sang mit.  Yeah!  That's Blues!


Joe mit selbstgebauter Gitarre 1962

1958, als 10jähriger Junge bastelte ich eine "Gitarre", die ich aus einer leeren Zigarrenkiste, Wäscheklammer und dünnem Draht zusammen-gefrimmelt hatte.
Um die Zigarrenkiste aus Holz wurde Blumendraht gewickelt, hinten zusammengezwirbelt, dann ein Nagel und eine Wäscheklammer als Steg und Sattel verwendet und schon klimperte das Ding, wenn man die Saite zupfte. Mit dem Taschenmesser konnte man "Bottleneck-Sounds" spielen, die an eine singende Säge erinnerten, die wir Kinder gesehen hatten, als Wandermusiker in unseren Hinterhof kamen.


Nach ersten Auftritten 1962 mit der Skiffle-Band im Strand-Cafe an der Ruhr, spielte Joe 1963 mit seinen Freunden im traditionellen Tanzlokal "Zur Altstadt" in Kettwig für 6 Monate als Hausband an jedem Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag.
Das Foto oben zeigt den ersten Gig im Frühling 1963


Im Winter 1963 wurde der Vertrag bis März 1964 verlängert
Foto: Joe 3.v.l.
Die 3 Brüder v.l.  Werner Kamminga, Rainer K., Jochen K.


Joe 1963 "The Blues goes on"

Auszug aus Joe's Buch "Als der Blues die Ruhr erreichte"
Gründung der Band "The Blues ButleRs"
Nach einem Jahr und ca. 200 Auftritten verließ ich die Kometen, um im März 1964 mit Herbert eine Bluesband zu gründen. Herbert spielte Gitarre, sang und besaß einige Rock'n’Roll- und Bluesplatten, die wir nachspielen wollten. Ich hatte ein paar Platten von Chuck Berry, den Stones, Kinks, Fats Domino und Toni Sheridan.
Einige der Songs hatte ich in mein Repertoire übernommen und wollte sie in der neuen Band spielen. Mittlerweile hatten wir Werner, einen Bassmann mit eigenem Auto, dicker Verstärker-Anlage und Bluesfeeling in die Band auf-genommen. Klaus, der Sänger mit Spitznamen Elvis, hatte das komplette Programm vom King of Rock im Kopf und sang auch so. Jetzt fehlte nur noch ein Drummer.
Ich traf Herbert abends vor der Eisdiele, um mit ihm zum Rock'n'Roll Lokal "Sputnik" zu gehen, in dem immer coole Typen und heiße Mädels rumlungerten. Wir hofften, dort einen Drummer zu finden.
Als wir die Treppe zur Ruhrbrücke hochgingen, hörten wir in der Ferne rhythmisches klappern und trommeln. Oben angekommen erkannten wir, dass mitten auf der Brücke der Toni stand. Er hatte seinen weißen Austin Healey halb auf der Fahrbahn, halb auf dem Gehweg stehen lassen und trommelte mit seinen Schraubenziehern auf dem Brückengeländer. Wir sangen und klatschten mit. Be Bob a Lula, She's my Baby . . .
Da kam "Elvis", der auch auf dem Weg zum Sputnik war, mit seinem Moped (Kreidler Florett) angeknattert, stellte die Karre auf dem Bürgersteig ab und sang "Tutti Frutti" . Die Band war komplett. Toni war unser Drummer.
Beim ersten Konzert im Mai 1964 spielte allerdings mein Schulfreund Dieter Theuergarten das Schlagzeug, weil Toni 2 Wochen in den Jugendknast musste. Die Reifen und das Lenkrad des Austin Healey waren geklaut. Danach spielten wir aber viele Gigs mit Toni an den Drums. Die Band nannten wir "The Blues ButleRs".
Herbert und ich spielten Gitarre und wechselten uns im Rhythmus- oder Solospiel ab. Bass und Schlagzeug gab uns das Fundament. Elvis war für die Rock’n’Roll Songs zuständig. Herbert und ich sangen die Blues und Rolling Stones Titel.
Höhepunkt unserer Tanzveranstaltungen war eine Rock-Show, auf die unser Publikum total abfuhr. Herbert sprang auf meine Schultern, legte mit einem Gitarrensolo los, Elvis hämmerte mit dem Mikro auf die Holzdielen der Bühne und Toni wanderte um sein Schlagzeug herum und trommelte auf allem, was erreichbar war. Dann setzte ich Herbert wieder ab und wir fetzten richtig los. "Guitar Boogie", ein Instrumental-Titel der speziellen Art.
Die Gitarren hinter den Kopf, dann hinter den Rücken, wir wälzten uns auf dem Boden, stampften mit den Gitarren den Takt auf den knarrenden Bühnenbrettern und waren außer Rand und Band. Das Publikum tanzte nicht mehr, sondern stand in Reihen vor der Bühne und klatschte rhythmisch mit. Die pure Lebensfreude.
Danach war große Pause. Es gab Freibier für die Band. Die Mädels standen Schlange. Die Luft war mild. Es war Zeit zum pimpern.


Joe and the Blues ButleRs 1964  "Heiligenhaus Ratskeller"

Joe Blues 1964

"Let the good times roll" Joe and the Blues ButleRs
Im Vordergrund Werner Hesch am Bass, der mir die wenigen, existierenden Fotos zur Verfügung stellte

"The Blues ButleRs" 1965 in der "Flora" Velbert

v.l.n.r.  Toni Hammelmann, Herbert Hülsenbusch, Joe Blues


Klaus "Elvis" Meierhoff, Joe Blues, Werner Hesch

1966
schließen sich Musiker aus 3 Bands zusammen, gründen "The Rocket Dogs" und nehmen Monatsengagements in "Beat-Clubs", Tanzlokalen, Bars im Rhein-Ruhrgebiet an
.
Heiner Boente(t),   Joe,   Volker Berndt,   Herbert Hülsenbusch,   Manni Mies(t)


The Rocket Dogs,  2 Monate im "Langensiepen" Velbert



Der harte Kern der Rocket Dogs


Joe Blues "Tobacco Road"


Joe 1966  selbstgebaute 5-Eck-Gitarre mit eingebautem Verzerrer "FUZZI" den Joe mit seinem Bruder zusammenlötete

Joe 1968


"Joe & Rynata" 1969-1971 "Blues on the Road"
Auftritte in Nizza, Paris, Berlin, Amsterdam, München u.v.a. in Scene-Kneipen, Hotel-Bars, Blues-Clubs, Straßenmusik.

1971 gründet Joe mit Rynata die Band "SPHÄRENSÄGE"
und macht experimentelle Art-Rock Musik mit elektronischen Instrumenten, die Joe's Bruder Jürgen nach Wünschen von Joe baute.
Die Band "SPHÄRENSÄGE", mit Rynata: Guitar, Joe: Bass, Fredy Grosser: Vocals, H.J.Pütz: Drums, spielt in Düsseldorf in diversen Lokalen der Altstadt, im Ruhrgebiet und präsentiert eine "Multi-Media-Show" auf dem "Neumarkt der Künste" in Köln vor ca. 3000 Zuschauern.
1972: Klangcollagen, Dias, Filmsequenzen, Sprechgesang, werden zu einem Multimedialen Spektakel verbunden.


"SPHÄRENSÄGE" 1972

1975 wendet sich Joe der bildenden Kunst zu und macht Malerei, Druckgraphik, Künstler-Bücher, DadA-Blues in Kunsthallen, Galerien, Museen, Büchereien, Straßen-Kunst-Aktionen u.a.  Ausstellungen im In- und Ausland

Kunst >> www.harmut.de  Virtuelle Gallery, Ausstellungen, Bücher

Joe 1965
>>
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